Gestalten zwischen Nachmachen und Variieren

Stefan Haenni: Bildnerisches Gestalten als Nachahmung, Spiel und Traum. Bern (Berner Lehrmittel- und Medienverlag) 1999, gebunden, 144 S., viele Farbabbildungen, ISBN 3-906721-29-9, 38.- sFr.

Nahezu alle Veröffentlichungen im Bereich der methodischen Fachliteratur zielen auf kreativitätsfördernde und inspirierende Anregungen für die Unterrichtsgestaltung. Mit der Publikation des Schweizers Stefan Haenni »soll den Lehrkräften im Fachbereich des bildnerischen Gestaltens eine praxisnahe Ideensammlung (...) in die Hände gelegt werden« (S. 6), so das Vorwort. Der Autor bereitet über zwanzig im Kunstunterricht der Sekundarstufe II erprobte Beispiele in Wort und Bild ansprechend auf und gliedert sie nach gestalterischen, technologischen, kulturellen, gesellschaftlichen und interdisziplinären Gesichtspunkten. Sein Hauptziel ist dabei, die für ihn grundlegenden Gestaltungsprinzipien Nachahmung und Spiel in die Beispiele zu integrieren.

Neben den Praxisdarstellungen werden auch Ansätze geboten, wie die Unterrichtsanregungen lernpsychologisch begründet und reflektiert werden können. Hierbei operiert Haenni mit Jean Piagets Gleichgewichtsidee: Zwischen Spiel und Nachahmung vollzieht sich die geistige Entwicklung des Menschen, der indessen versucht, in geistiger Balance zu bleiben, was auch durch die Verarbeitung des Erlebten im Traum unterstützt wird. In didaktischer Konsequenz zieht sich diese Idee wie ein roter Faden einmal mehr, einmal weniger stringent durch die gesamte Palette der Unterrichtsvorschläge.

Die Beispiele füllen jeweils zwei Doppelseiten. Auf den ersten beiden Seiten werden Ziele, Verfahren, didaktische Begründungen der Aufgabenstellung, Beurteilungskriterien, Hinweise zu Material, Zeitaufwand und Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Fächern erörtert. Eine weitere Doppelseite zeigt zahlreiche und zumeist farbige Abbildungen von Arbeiten der Schülerinnen und Schüler. Die eingesetzten bildnerischen Verfahren reichen vom Gestalten mit verschiedenen zeichnerischen und malerischen Mitteln über plastisches Arbeiten mit Ton bis hin zu Entwurf, Anfertigung und Test eines Fahrradregenschutzes aus einem Müllsack.

Selbst wenn manches Beispiel bekannt ist, lassen die unterschiedlichen Ansätze jedoch genügend Raum, eigene Ideen mit den Übungen des Autors zu verbinden. Das Buch kann mit den ihm eigenen Regeln gelesen werden: Nicht nur die Nachahmung ist zu empfehlen, sondern auch die spielerische Weiterentwicklung und differenzierte Anpassung der Vorschläge an die eigenen Bedürfnisse.

Michael Schacht

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