Mensch - Medien - Mitwelt

Zacharias, Wolfgang (Hg.): Interaktiv. Medienökologie zwischen Sinnenreich und Cyberspace. Neue multimediale Spiel- und Lernumwelten für Kinder und Jugendliche. München (KoPäd Verlag) 2000, 317 Seiten; DM 29,80; ISBN 3-929061-54-6

Wie verändern sich die Spiel- und Lernumwelten von Kindern und Jugendlichen unter dem Einfluss der neuen Medien? Welche Tendenzen zeigt diesbezüglich die kunst- und kulturpädagogische Praxis? Welches relevante Material bietet der Software-Markt?

Mit diesen und anderen aktuellen Fragestellungen setzt sich die nun bereits dritte Publikation der von Wolfgang Zacharias herausgegebenen "Interaktiv"-Reihe auseinander.

Das neue Buch basiert auf der bundesweiten Fachtagung "Multimediale Spiel- und Lernumwelten", die vom 17. bis 19. Oktober 1998 in München stattfand. 29 Beiträge sind in dieser Veröffentlichung unter verschiedenen Schwerpunkten zusammengefasst, wobei die mit zahlreichen Abbildungen versehenen Praxisberichte im Mittelpunkt stehen.

In einem einführenden Teil umreißt Bernd Schorb Ziele und Aufgaben der Medienpädagogik, und die Arbeitsgruppe "Sozialwissenschaftliche Politik-, Kultur- und Kommunikationsforschung" SpoKK bietet ein Glossar zur Thematik, das sich erfrischend von sonstigen Begriffserklärungen abhebt. Eike Hebecker beschäftigt sich intensiv mit der Problematik von Inhaltsregulierung und Jugendschutz im Internet, bevor Wolfgang Zacharias das Kapitel mit einer umfassenden Annäherung an den pädagogisch akzentuierten Begriff der Medienökologie abschließt.

Unter der Überschrift "Analysen und Reflexionen" beleuchten die Autorinnen und Autoren der fünf Beiträge die Rahmenbedingungen, die Kunst- und KulturpädagogInnen im Bereich der neuen Medien vorfinden. So werden u. a. in einer qualitativen Längsschnittstudie die medialen Gewohnheiten in der Familie (Jürgen Barthelmes) untersucht, Konsequenzen für das Lernen in Medienwelten erörtert (Cornelia Gräsel) und die Voraussetzungen für das Konzept "Mixed Reality Bühne" erläutert, die den realen und virtuellen Raum nutzt und Besuchende miteinbezieht (Monika Fleischman/Wolfgang Strauß).

Unter "Praxis und Projekte" firmieren 13 Aufsätze, die das mittlerweile stark erweiterte Feld der multimedialen Internet-Angebote von und für Kinder(n) und Jugendliche(n) in anregender Vielfalt darstellen. Das inzwischen abgeschlossene Projekt "Konnekt!" (www.konnektivity.de) der Akademie Remscheid verband acht unterschiedliche Institutionen miteinander, die innerhalb dieses kooperativen Netzwerks die aktive Medienarbeit mit Jugendlichen förderten (Jürgen Ertelt). Verschiedene Angebote im Internet, die sich an Kinder und Jugendliche richten, werden dargestellt (www.virtuellewelt.de; Michael Lange, www.kindersache.de; Mark Köster) sowie die Hintergründe einer Kindersuchmaschine (www.blinde-kuh.de) erläutert (Birgit Bachmann). Darüber hinaus werden mehrere mit Kindern und Jugendlichen erarbeitete fachrelevante Internet-Projekte präsentiert. Die Erfahrungsberichte fassen sowohl Probleme als auch Erfolge zusammen und zeigen, dass diese Angebote nicht zuletzt von Gruppen zur kreativen Gestaltung und Kommunikation genutzt werden.

In einem "Special" geht es um die Frage "Welche Software braucht die Kunst- und Kulturpädagogik?" Die entsprechenden Beiträge nennen Kriterien für die Entwicklung und Auswahl von CD-ROM-Lernsoftware (Waltraud Winter) und stellen exemplarisch einzelne CD-ROMs vor, wobei fachspezifische Charakteristika im Vordergrund stehen (Antje Steinke, Karl-Heinz Eden, Ernst Wagner).

Unter dem Titel "Diskurs und Perspektive" fasst Wolfgang Zacharias eine von Bernd Schorb moderierte Diskussion zwischen Hartmut v. Hentig und dem 1999 verstorbenen Dieter Baacke zusammen. Deutlich treten dabei deren konträre Auffassungen zu den Themen "Medienpädagogik" und "Medienkompetenz" hervor.

Auch die dritte "Interaktiv" - Veröffentlichung gibt wieder einen äußerst lesenswerten, kurzweiligen und anregenden Querschnitt über die aktuelle wissenschaftliche und praxisorientierte Auseinandersetzung mit digitalen Medien.

Michael Schacht

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